Namaste aus Nepal!

Sieh alles mit deinen eigenen Augen. Wenn du zögerst verpasst du dein Leben

 
19März
2014

Holi, Honigwaben und der alltägliche Wahnsinn.

Es ist manchmal wirklich erschreckend, wie viel in 3 Tagen passieren kann. Vorallem wenn man es nicht erwartet.
Dass das Holi-Festival, oder das Festival der Farben, auf mich zu kommt wusste ich. Wirklich etwas darunter vorstellen konnte ich mir allerdings nicht. Ich hatte eine Art Light-Version des Farbgefühle Festivals vor Augen. Ich lag nicht einmal so falsch. Allerdings wird hier lediglich mit roten Farbbomben geschmissen oder mit einer Farbe-Wasser-Mischung.
Es macht aber trotz der Eintönigkeit einen heiden Spaß. Blöd für mich nur, dass ich frisch geduscht und mit einem Handtuch umwickelt erwischt wurde. Ich konnte also rückwaärts wider in die Dusche und von vorne anfangen. Ganz auskosten konnte ich es nicht, da mir der Fußmarsch nach Phalewas zum schneider bevorstand.
Also habe ich mich damit begnügt, von allen die Farbe ins Gesicht geschmiert zu bekommen und Fotos zu schießen. (Was ziemlich schwer ist, wenn man nebenbei auch noch sich selbst schützen muss und alles wild schreiend durcheinander rennt.)
Einen besonderen Hintergrund hat dieses Fest scheinbar nicht, denn genannt wurde mir keiner als ich gefragt habe, ob es nun einen tieferen Sinn hat, dass ich mich wie eine Nachfahrin der Indianer fühle und nicht wie eine Deutsche in Nepal.
Besser hätte der Tag allerdings nicht anfangen können und mit einem insgesamt 3 stündigen Marsch durch den Dschungel wurde er erfolgreich fortgesetzt und beendet. Auch wenn der Zwischenteil nicht unbedingt grandios war.
Ich bin es wirklich leid, mich in Auseinandersetzungen über Hitler zu stürzen, wobei es auch ganz interessant ist, da ich immerwieder neue Dinge lerne.
So habe ich dieses Mal gelernt, dass wohl ein Großteil der Deutschen nicht mit der Wiedervereinigung zufrieden sein soll.. Tatsächlich? War mir neu.
ABer nicht nur die Deutschen haben ein Problem damit sondern nach dem netten Herrn auch 90% der Nachbarländer. Aber er hält das alles ja für total supi. Ja, ne. Is klar.
Dran ändern kann man jedenfalls nichts mehr. Die Mauer ist gefallen und das soll auch bitte so bleiben. (Danke)

Ebenfalls neu für mich war es, eine frische Honigwabe zu probieren. Hier hat so ziemlich jeder eine Bienenkolinie im Garten stehen. Und ich mich meinem Glück sitze zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Hätte ich länger geschlafen wie ich es eigentlich vor hatte, wäre ich nicht in den Genuss kommen.
Wobei eine Medaille auch zwei Seiten hat.. Leider war das Stück, das mir mein Gastpapa gegeben hat noch nicht ganz essbar. Zumindest nicht im Ganzen. Aber da ich nachgefragt hatte, und es hieß, dass ich alles essen kann hab ich natürlich beherzt reingebissen. Nach dreimal kauen lag mir dann allerdings eine Bienenlarve auf der Zunge. Ich glaube das ist zu keiner Tageszeit das, was man im Mund haben will.. Eiweißquelle hin oder her. Zumdem bin ich hier mehr oder weniger gezwungen zum Veganer geworden. Da passt es natürlich noch weniger ins Bild ein unfertiges Bienenbaby zu essen.
Aber genug davon.

Gestern hat es dann mal wieder geschüttet als gäbe es kein morgen mehr.. Allerdings war es dieses Mal direkt über uns. Keine Sekunde Zwischen Donner und Blitz. Oder Blitz und Donner? Zum rausschauen war ich zu ängstlich.
Wenn das Bett von einem Gewitter bebt und man unter einem Wellblechdach direkt unter einem 7 Meter hohen Baum liegt und sieht, dass es blitzt.. nun ja. Ich denke, dass nicht nur ich in dieser Situation Angst bekommen hätte..
Heute ist dafür der Strom nach 2 Tagen Abwesenheit wieder in voller Blüte da und alle sind happy. Da kann morgen mit meiner Rede ja kommen.

Warum und Weshalb ich diese halten muss verrate ich aber noch nicht.

Namaste.

12März
2014

Ach herrjeh! Schon fast EIN JAHR!?

Man mag es kaum glauben, aber auch zu mir ist durchgedrungen, dass heute die erste Abiprüfung geschrieben wurde.
Was ein Glück, dass ich das hinter mir habe. Dabei war es eigentlich wirklich nicht so schlimm, wie es alle immer meinen. Aber erzählt das mal einem panischen Schüler, der in letzter Minute noch versucht sich eine Formel für Mathe einzuprägen, oder das Verhältnis zweier Charaktäre aus dem Deutschbuch zu verstehen.
Lasst es bleiben. In 99% der Fälle wird es eh nicht fruchten.

Aber Deutschland ist nicht allein im Prüfungstress. In 3 Wochen beginnen auch hier die Abschlussprüfungen. Wenn meine Gastschwester Samstags kommt, pauke ich mit ihr Englisch und Science. Unter der Woche drille ich die Schüler der 3. Klasse in Mathe. Es ist wirklich herzallerliebst, zu sehen, wie sie sich mit mir freuen wenn sie eine Aufgabe verstanden und eine Bitte ausführen können.
Nach der Schule heißt es dann mit den Lernschwachen pauken. Und das nicht zu wenig. Aber es macht Spaß so viel Zeit mit den Kinder zu verbringen. Es erinnert mich an die Nachmittage in der Kirche. Mit den Kindern zu spielen, Geschichten zu erzählen und ihnen etwas beizubringen. Aber auch wenn die Racker sich auf den Weg nach Hause machen ist die Arbeit noch lange nicht getan. Denn dann müssen die Prüfungsbögen vorbereitet werden. Und als wäre das nicht schon schwer genug, haben die Lehrer hier natürlich auch noch das Language Problem zu bekämpfen. Da sitzen dann 5 um einen herum, die ständig fragen, ob die Formulierung denn nun richtig sei und wie man dieses oder jenes Wort schreibt. Zusätzlich hab ich auch noch meinen eigenen Bogen Papier vor mir liegen und soll Aufgaben erstellen. Multitasking lerne ich hier auf harte Art und Weise kennen. Aber dafür bin ich ja hier. Um zu helfen, zu unterstützen und zu lernen.

Gestern waren es zweieinhalb Monate und damit Halbzeit. Es ist unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Schon in Heidelberg ist sie unglaublich gerannt. Doch seit ich hier bin befindet sie im dauer Sprint. Wo soll das denn noch hinführen??
Jeden Tag habe ich das Gefühl mir rinnt die Zeit durch die Finger (kann man das so sagen? mein deutsch leidet. Pardon). Jeden Tag bleibt etwas zurück, das ich mir eigentlich fest vorgenommen hatte. Widerwillig wird es dann mit "okay. tomorrow." verschoben. Nur um am nächsten Tag festzustellen, dass es wieder nicht machbar ist.
Zum Glück bin ich nicht sie einzige Person der es hier so geht. Schaut man sich um, scheint allen Leuten die Zeit rasend schnell davon zu laufen. Ob es nun der Bauer ist, der seinen Hahn jagt, oder der Lehrer der versucht seinen Schülern etwas beizubringen. Natürlich darf man auch die Schüler nicht vergessen, die versuchen sich mit aller Mühe die Formeln und Vokabeln zu merken.

Ich bin gespannt wie das ausgeht.
In Nepal kann man auf seine Abschlussergebnisse eh lange warten.
Als ich in Baglung war, hat mir Sushan erzählt, dass ein Freund noch immer auf sein Prüfungsergebnis von vor zwei Jahren wartet. In der Hoffnung bestanden zu haben, studiert er trotzdem schon einmal weiter. Tapferes Kerlchen!
Das kann wirklich was geben. Wie das hier in der Schule gehandhabt wird.. keine Ahnung. Ist ja auch noch Zeit. Erst einmal müssen die Tests geschrieben werden.

Mein besonderes Augenmerk fällt dabei auf ein kleines Mädchen, dem ich mit einem Stipendium helfen möchte.
Wenn ich vorher gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich mir eine andere Lösung einfallen lassen.
So darf ich am Donnerstag nächster Woche eine Rede vor dem ganzen Dorf und dem 'Education Officer of Parbat District' eine Rede halten, warum und wieso ich dieses Mädchen unterstütze. Super. Reden halten kann ich ja so sonderlich gut. Und das dann auch noch wenn dich alle ansehen, als würdest du Chinesisch sprechen. Prost Mahlzeit.

Andererseits habe ich hier schon so viel erlebt und gemeistert, dass so eine Rede eine Kleinigkeit sein sollte.
Aber es ist eben doch etwas anderes, ob ich eine riesen Spinne einfange, einem Affen hinterher jage, im Buffalo-House koche, ODER EINE REDE HALTE!!

Aber gut. Mit Abi soll man ja alles können. Bekommt man zumindest aus den Ecken immer wieder zu gerufen. Hier allerdings interessiert es keinen ob ich Abi habe oder nicht.
Hier ist es nur wichtig fleißig zu sein, sich zu bemühen und stets einen guten Willen an den Tag zu legen.

Mit dieser Einstellung kann man hier so unglaublich viel lernen.
Die beste Lehre, die ich hier gezogen habe, ist dankbar zu sein.
Dankbar für jeden einzelnen Tag. Egal, ob nun die Sonne scheinen mag oder nicht.
Klar, man denkt von sich selbst, dass man auch daheim dankbar ist. Vielleicht ist man das auch. Aber hier lernt man eine ganz andere Art von Dankbarkeit kennen.
Auch den Stolz auf sein Land lernt man hier.
Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich nicht sonderlich stolz darauf war in Deutschland zu wohnen. Nicht, dass es mich auf irgend eine Art gestört hätte. Ich stand dem einfach nur gleichgültig gegenüber. Doch seit ich hier bin, habe ich gelernt was es heißt in Deutschland oder einem Land der EU aufgewachsen zu sein und zu leben.
Ich habe gelernt all die schönen Dinge in Heidelberg zu lieben. War es für mich normal am Schloss entlang die Uferstraße nach Ziegelhausen zu fahren, so schätze ich nun jeden einzigen Millimeter dieser Strecke.

Auch in dieses Dorf habe ich mich verliebt. Es ist meine Heimat in der Ferne geworden. Mittlerweile kenne ich jeden Stein auf der Straße. Kann die Wege bei Dunkelheit gehen ohne zu stolpern. Erfeue mich an dem Hahn, der ab 5 Uhr morgens alle 20 Minuten kräht. Schmunzle jedes Mal, wenn der Büffel der Nachbarn wieder einmal abgehauen ist, oder plötzlich wie aus dem Nichts eine Ziege im Klassenzimmer steht.
All diese Dinge machen mich unheimlich glücklich und ich werde sie schmerzlich vermissen.
So, wie ich mein Heidelberg vermisse und es kaum erwarten kann wieder durch die Haupstraße und hinauf aufs Schloss zu schlendern.
Aber all das hat noch Zeit. Wird viel zu schnell kommen und viel zu schnell wieder vorbei sein. Wie die erste Prüfung im Abitur.

Namaste.

09März
2014

Weltfrauentag

Der erste Weltfrauentag fand in Deutschland statt.
Im Jahre 1911 haben sich die beiden Frauen Clara Zetkin und Käthe Duncker zum ersten Mal für die Rechte der Frau eingesetzt. Seit diesem Jahr wurden die Rechte der Frau von Grund auf geändert und der Weg in die Emanzipation geebnet. In Deutschland hat das auch sehr gut funktioniert. Obwohl er während des zweiten Weltkrieges zuerst verboten und dann in Vergessenheit geraten.

1977 hat die UN-Generalversammlung einen "Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden" ausgerufen.

2014 stand der Tag unter dem Motto "Equality for Women means progress for all"

Es hat mich sehr überrascht, dass dieser Tag hier in einem kleinen Dorf so ernst genommen wird. Die Lehrerinnen bei mir an der Schule haben schon vor einer Woche angefangen Flugblätter vorzubereiten und den Schüler/innen mit nach Hause zu geben, damit ihre Mütter wissen wan sie anwesend sein müssen.
Trotzdem hat es ein wenig gebraucht, bis alles in Schwung gekommen ist.
Doch dann war hier der steppende Bär unterwegs.
Mit Reden der wichtigsten Frauen und einem Tanzwettbewerb der Schülerinnen.
Ich kann diese Mädchen immernoch nur bewundern. Wenn ich so tanzen könnte.. und auch diese traditionellen Kleider. Ich könnte von jedem eines kaufen. Doch das lässt weder mein Geld noch mein Gepäck zu. Schade, schade. Aber ein Päckchen zu schicken würde keinen Sinn machen. Dann müsste ich mich mit der Frage beschäftigen OB und WANN das Packet ankommt.. Also lass ich es bleiben und verschiebe es auf meinen nächsten Besuch.

Ich bin froh, dass ich diesen Tag hier erleben durfte. Es ist wirklich wichtig, dass Frauen auf der ganzen Welt um ihre Rechte kämpfen und sich dafür einsetzen.
Nepal ist nicht unbedingt ein Land in dem die Frauen minderbemittelt sind, aber es gibt doch noch einige Dinge die verbessert werden könnten..
Aber die gibt es ja eigentlich in jeder Kultur..

Namaste.

05März
2014

Today, Isa-Miss satisfied.

"Like nepali girl!" war der Satz, den ich mir als Erstes anhören durfte, als ich in meine Kurta gewandet die Treppen runter gelaufen bin. Das ich in dem Teil weder atmen, noch die Arme heben konnte war eher zweitrangig. Asche über ihr Haupt. Der Grund, weshalb ich mich in meine Kurta geworfen habe, war der, dass es auf Wunsch des Brautvaters mal wieder auf eine Hochzeit ging. Im Kopf vergleiche ich jede mit der in Baglung. Das ist eher weniger vorteilhaft für die Veranstallter der anderen Hochzeiten..
An dem Tag war die Stimmung aber eh im Keller. Das Wetter war nicht wirklich der Hit und das Haus des Bräutigams ca 8h einfachen Weges entfernt. Da hatte keiner wirklich Interesse daran, die Braut zu begleiten. Das ist zwar Männer Sache, und eigentlich sind da alle auch immer stolz drauf, aber an dem Tag haben sie sich geziert wie kleine Mädchen!

Gestern war ich dann eher unhappy und unsatisfied.
Ich hab mal wieder einen Unterrichtsversuch gestartet. In der ersten Klasse. Das war wahrscheinlich nicht die richtige Altersklasse.
Ich hab versucht einen Test zu schreiben, bei dem sie zuerst Aufgaben lösen müssen, um dann die richtigen Antworten in einem Bingo-Feld zu suchen und zu umkreisen. Das hat alles nicht so recht funktioniert. Sprach und Matheproblem. Die Kinder können nicht mal 24 durch 4 teilen, obwohl sie sich die 4er-Reihe vorher korrekt aufgeschrieben haben.
Das macht mich wirklich traurig. Aber bei einem Test gibt es hier auch nicht wirklich die Disziplin ruhig zu sitzen.. Da macht jeder etwas anderes und ist unkonzentriert..
Aber daran kann ich nichts ändern.

Heute hab ich das gleiche Prinzip in einer anderen Klasse ausprobiert. Die Kiddies haben sich unglaublich gefreut und waren Feuer und Flamme. Und das Ergebnis war auch um einiges besser.
Die Lehrer sind jedenfalls sehr begeistert davon und wollen jetzt Beispiele für Englisch und Science. Da setz ich mich dann gegen Samstag oder so dran.
Das hat den Tag jedenfalls gerettet.

Die Düsen-Jets fliegen noch immer und machen wir wirklich Angst.
Wenn ich nach Nachrichten frage bekomme ich immer nur gute erzählt. Sie wollen nicht, dass ich mir bei schlechten Sorgen mache..
Da ich momentan nichts erzählt bekomme werde ich ein bisschen stuzig. Die Bilder im Fernsehen sehen nämlich eher ungut aus.

Ansonsten ist hier alles beim Alten. Es wird noch immer fleißig gefeiert, und sich mit großem Eifer auf den Internationalen Frauentag vorbereitet.

Namaste.

01März
2014

Die Erde bebt.

Meine "Mission-Mathe" ist leider gescheitert. Als Erklärbär sollte ich mich wohl eher nicht bewerben. Die Jungs und Mädchen hören zwar aufmerksam zu, und sind Feuer und Flamme wenn ich unterrichte. Beziehungsweise anstalten mache es zu versuchen.. Im Endeffekt verstehen sie mich aber auf Grund der sprachlichen Barriere nicht. Auf meine Frage, ob es Probleme gäbe, bekomme ich zwar ein "Nein.", aber ich sehs ja, wenn ich die Aufgaben korrigiere. Ich muss wohl noch an der Technik feilen.

Ansonsten herrscht hier ein Wirrwarr aus Sonne, Regen, Regenbogen; Sonne, Regen, Regenbogen.. Es geht mir wirklich auf den Keks! Ständig muss man Angst habe, dass man eine geplante Aktivität nicht durchführen kann.
Wie beispielsweise der Auslug von meiner Gastmama und mir nach Kusma.. Sie hat mir schon angedroht, dass ich drei Stunden laufen muss Überrascht Zum Glück hat sich das Wetter dann aber doch seiner guten Manieren besonnen und dem Jeep die Möglichkeit gegeben zu fahren.
Jetzt weiß ich aber auch nicht ob das so super war. Auf der Hinfahrt hatte ich einen kleinen kotzenden Jungen neben mir. Auf der Rückfahrt dann eine Frau mit Kieferbruch, die unter anderem auch gekotzt hat.. Noch mehr hat sie aber vor sich hin gejammert und auf meiner Schulter geschlafen. Das war mir auch eher weniger recht.. Aber was hätte ich denn machen sollen? Mit der Schulter zucken kann ich ja schlecht. Ihr noch mehr Schmerzen zu bereiten war nicht meine Absicht.
Aber hey, ich konnte zum einschlafen fliegende Kotztüten zählen und hatte somit endlich mal wieder eine Abwechslung Lachend.

Und heute?
Heute hat lediglich die Erde gebebt. Also nichts sonderlich besonderes.
Mein langes Wochenende war daher auch ziemlich unspektakulär. Zumindest bis heute. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Vielleicht wieder mit Hochzeit.. Aber nur wenn das Wetter gut ist.
Ich hoffe nur das Beste und drücke die Daumen.
Und Zehen und alles was ich sonst noch drücken kann.

Namaste.

25Februar
2014

Eeeeh Baba!

Heute wollte ich mich dankbar zeigen. Dankbar dafür, dass der Vogel-Student normalerweise so langsam läuft, dass ich ihm nebennei die Hosen flicken könte. Doch gerade heute leht der ein ordentliches Tempo vor. Da komm ich mir ja schon ziemlich verarscht vor.
War aber auch klar. Heute bin ich einmal am ende, fix und fertig und sowieso hundemüde.. und was macht er? Scheucht mich 1,5h durch die Gegend. Querfeldeinläufe sind da nichts gegen.
Eigentlich bin ich selbst Schuld. Mich hat schließlich keiner gezwungen mit ihm mit zu laufen..
Zu meiner Verteidigung habe ich zu sagen, dass ich ihn um eine kleine Runde gebeten habe. Das hat er entweder dreist überhört oder einfach ignoriert.. Kacksacker.

Das ich nach meinem Abi noch einmal mit einem Mathebuch durch die Gegend stapfe, um nach einem ruhigen Plätzchen zu suchen, hätte ich auch nicht gedacht. Wäre ich in den letzten Monaten jemandem begegnet, der mir diese Prophezeihung übermittelt hätte.. Ich hätte ihn ausgelacht und wäre weitergelaufen.
Doch heute bin ich tatsächlich mit einem Mathebuch durch den Wald marschiert auf der Suche nach einer netten Lichtung. Meine Gastmama hatte mich zuvor gebeten mir einen Plan zu überlegen, wie man ihren Schülern die umrechnung aus dem 12-h-System ins 24-h-System einfacher erklären kann. In dem Buch wird hin und her gerechnet.. Dem ganzen Wirrwarr kann doch kein Schwein folgen.
Dabei ist es doch einfach nur einmal 12h für den Nachmittag dazuzählen und einmal 12h abziehen, wenn man anders herum rechnet.
Mal sehen, was das morgen gibt..

Leider hat sich meine Vermutung, dass ich weniger doof angeschaut werde, wenn ich braun bin.. der Plan ging leider nach hinten los. Die sichtbaren Stellen, sprich Gesicht, Hals, Hände und Füße sind erfolgreich gebräunt. Auch die Haare sind heller. Und genau da liegt das Problem. Ich werde auf Grund der helleren Haare nur noch mehr angestarrt.
Was mach ich denn jetzt? Weiß werden kann ich hier nicht. Vielleicht sollte ich mir die Haare schwarz färben, wie sie es mir schon so oft vorgeschlagen haben.
Aber wahrscheinlich werde ich dann nur noch mehr angestarrt..

Ich werde mich wohl einfach dran gewöhnen müssen. Was anderes bleibt mir auch nicht übrig..

Namaste.

21Februar
2014

Es ist amtlich. Es gibt hier Tiger.

Eigentlich sollte das Spannendste der letzten drei Tage der Tag der "Demokratie" sein.
Doch an dem passierte genauso wenig wie an einem ganz normalen Samstag. Meine Gastmama war auf dem Feld, mein Gastpapa hat für andere Leute den Reis geschält und meine Gastschwester das Haus geputzt...
Und die Isa war auf sich allein gestellt. Was macht man da?
Richtig. Man informiert sich über die politischen Ereignisse der letzten Jahre.
Hier eine kleine Zusammenfassung für euch:

1996: Maoisten beginnen ihren Volkskrieg
2001: Kronprinz Dipendra erschießt zuerst seine Familie und tötet dann sich
2006: -König Gyanendra verhängt das Militärrecht unter seiner Führung
          -im April beendet die Sieben-Parteien-Allianz nach Streiks und           Massendemonstrationen Gyanendra
          -im November legen die Maoisten die Waffen nieder und kehren in die Politik zurück
2008: Die Maoisten gewinnen die Wahlen und Nepal wird zur Republik
2012: Ende Mai wird die Verfassung aufgelöst. Im Mai 2013 sollen Neuwahlen stattfinden

So. Das wars dann auch schon. Mehr erfährt man hier dann auch nicht. Keiner weiß genaues und ich habe den Eindruck sie wollens auch nicht so genau wissen..

Die anderen Tage waren jedenfalls um einiges spannender.
Am Tag der Demokratie waren mein Gastpapa und der Englischlehrer in Pokhara auf Grund gesundheitlichen Problemen des Lehrers.
Und was finden sie auf dem Heimweg?
EIN TIGERBABY !!! Und ich war nicht dabei. Schweinepriester. Und das auch nur weil sie gelaufen sind und nicht für eine Nacht in Kusma bleiben wollten. Diese Sparfüchse..
Somit ist es also bewiesen, dass es hier Tiger gibt. Ich hab es ja schon mal erzählt bekommen.. nur geglaubt hab ich es nicht..

Auch heute war spannender als der Tag der Demokratie.
Putzen und reparieren im Haushalt ist hier so unglaublich einfach.
Der Küchenboden wird geputzt indem man einfach eine neue Lehmschicht drüber schmiert. Ist dann aber im Endeffekt auch sauberer als einfach nur zu fegen.
Der "Herd" wird repariert indem man einfach den Teil der einem nicht gefällt abbricht und mit neuem Lehm und neuer Erde eine neue Form modelliert. Wenn das bei uns in Deutschland doch auch so einfach wäre!
Hier stößt man jeden Tag auf neue Dinge.

Auch Joggen ist für die Menschen hier Neuland.. Ich war heute morgen laufen. Ich wurde angestarrt als wäre ich eine unglaublich seltene Art von Tier. Joggen gehen ist hier wirklich extrem gefährlich.. Daher bin ich froh, dass mich schon seit Wochen wie ein junges Pferd fühle, das langsam beritten wird. Ich werde immer besser in Geländegängen..

18Februar
2014

Frieden im Olymp.

Vielen Dank Mutter Natur!
Vielen Dank, dass du den Beauftragten für Gewitter, Sturm und was noch alles dazu gehört zur Vernunft gebracht hast!!
Endlich kann man hier wieder die liebe Sonne sehen und ihre warmen Strahlen mit allen Sinnen genießen.
(Auch wenn ich erstmal ordentlich zu waschen hatte. Es hat sich dann doch ein Haufen angesammelt, der mich fordernd angeschaut hat..)
Das sind dann die Momente in denen man sich eine Waschmaschine wünscht. Wobei es von Hand dann doch deutlisch schneller ist.
Alle sind froh, tanzen, singen und versuchen ihre Felder wieder her zu stellen. Der Büffel bekommt endlich wieder frischere Luft und ich neues Popkorn. :D

Das mit dem Popkorn ist hier auch so eine Sache. Ist nämlich ein anderes, als jenes, welches wir aus dem Kino kennen.
Aama trennt dafür fleißig getrockneten Mais vom Kolben um ihn dann für weitere zwei Tage in der Sonne zu trocknen. Das eigentliche Verarbeitungsverfahren ist dann aber das gleiche wie bei "normalem" Popkorn. Aber was ist schon normal?!
Schmeckt jedenfalls super und wird nicht so schnell zäh.

Auch wenn ich die letzten Tage nicht in der Schule verbracht habe.. die Räume sind einfach zu kalt. Ohne Handschuhe und eine warme Mütze braucht man nicht mal in ihre Nähe zu laufen.. waren diese Tage alles andere als langweilig. Ich kann ja in der Sonne liegen und Mandarinen frisch vom Baum essen. Ha!
Die Bananen sind auch bald soweit.. Dann kann mich nichts mehr halten. Ein Glück wurde die Palme nicht von dem Unwetter entwurzelt. Da hätten sie mich aber kennengelernt, dass kann ich euch versprechen..!!

Morgen ist hier Tag der Demokratie..
Das ist ja schön und gut. Nur welche Demokratie?
Welche Regierung?
Wie? Was? Wo?
Man hat hier schon öfter, auch noch zu Zeiten der amtierenden Könige, versucht eine Demokratie einzuführen. Diese hat aber leider ZU GUT funktioniert, weshalb sie immer wieder rückgängig gemacht wurde..
Seitdem der letzte Königssohn abgemetzelt wurde sind die Maoisten an der Macht..
Ich frage also wieder.. Welche Demokratie?

Die armen Menschen hier bräuchten wirklich mal eine gescheite Regierung. Und ich finde, dass haben sie sich auch verdient.. Aber leider stehen sie sich, was das angeht, selbst im Weg.
Man kann nur hoffen, dass sie eines Tages zur Einsicht kommen und den richtigen Weg einschlagen..
Aber das wird noch eine ganze Weile dauern..
Ich bin mal gespannt was hier morgen abgeht.

Namaste.

16Februar
2014

Krise im Olymp.

Also. Ich weiß ja nicht was da oben im Olymp falsch läuft.. Aber ich würde da gerne mal hochfahren und eine ordentliche Standpauke halten.
Was die sich eigentlich vorstellen mit uns machen anstellen zu können.
Das ist wirklich unerhört.

Hier hat es Bäume und Bambus ausgerissen, die Schule unter Wasser gestellt und fast Dächer von den Häusern gerissen. Das ist nicht normal. Klimawandel lässt grüßen.
Meine Gasteltern schütteln auch nur den Kopf. Das ist jetzt das erste Jahr das es so ist. Und ich mitten drin.
Ja super. Ich hoffe wirklich, dass es demnächst mal aufhört sonst hat sich die Ernte in dem Jahr auch gegessen. Wenn es nicht aufhört zu regnen ist in der Regenzeit nichts mehr übrig..

Ansonsten ist hier aber alles gut.
Ich bewege mich schwimmend und erfreue mich bester Gesundheit..
Sitze vor dem Feuer oder liege in meinem warmen Bettchen.
Etwas anderes kann man hier auch nicht machen. Ich weiß nie, ob ich Strom und Internet hab oder nicht.
Ich jubel hier eifrig, wenn ich mal Strom habe.
Ansonsten tut es mir auch mal gut wenn ich keinen Strom habe.
Dann bekommt Nepal eine größere Chance und ich hänge nicht ständig am PC..

Ich habe beschlossen ich werde mich nicht mehr jeden Tag melden. So alle 3 Tage.
Ich hoffe ihr könnt euch damit anfreunden ;).

14Februar
2014

Die Sonne wird heute nicht geliebt.

Man sollte eigentlich meinen, dass an einem Tag, an dem alles im Zeichen der Liebe steht die Sonne mit all ihrer Kraft scheint. Pustekuchen. Hier herrscht seit heute Nacht Weltuntergang.
In meinem neuen Zimmer kann ich das perfekt mitverfolgen. Mit einem V.I.P. Platz Gefühl. Als würde ich in der ersten Reihe in einem Openair Konzert stehen. Ich liege direkt unter einem Wellblechdach. Eine bessere Vorraussetzung gibt es also nicht :).

Das Konzert beginnt mit einem sanften Tröpfeln.
Baut sich dann, wie ein Crescendo eines Sinfonie Ochesters, langsam zu voller Größe auf. Hinzu kommen tiefere Tropfentonlagen und das klagende Geräusch des Windes. Mit viel Fantasie kann man sich auch noch eine Geschichte dazu ausdenken... Aber damit verschone ich euch ;).
Urplötzlich hört dann alles auf. Aber nur für den Bruchteil einer Minute. In dieser kurzen Zeit jedoch ändert sich die gesamte Szenerie. Aus dem gemeinschaftlichen Spiel hat sich eine Art Zweikampf entwickelt. Alles beginnt wieder mit einem sanften Tröpfeln. Doch dann kommt eine weitere, hastigere Tropfentonlage dazu. Zur Verwunderung meinerseits aus der entgegengesetzen Richtung. Sie scheinen sich gegenseitig zu vertreiben. Dann schnellen sie wieder auf ein ander zu.
Es ist wirklich unglaublich spannend das mit zu verfolgen. Ich analysiere naürlich zu viel in die musikalische Richtung. Aber gerade das macht das Spektakel so einzigartig. Da kann man nicht schlafen. Auch wenn man sollte.

Heute morgen wurde ich dann sehr nett begrüßt. Alle haben mich umarmt und mir einen "Happy Valentinesday" gewünscht. Das hätte nun wirklich nicht sein müssen. Hier in Nepal haben sich auch ein paar Anhänger des Valentinstages gefunden. Klar. Die Mode Rosen zu verkaufen schwappt irgendwann in das Heimatland der Verkäufer über, die einen an Hauptbahnhöfen in Deutschland mit dem bekannten Satz:"Wolle Rose kaufe?" nerven.

Die gläubigen Hindus jedoch feiern heute die Gottheiten Shiva und dessen Frau.
Wenn man im Internet sucht, was da nun genau gefeirt wird, stößt man entweder auf Saraswati Puja oder auf nichts. Die Saraswati Puja fand aber schon am 4. Februar statt. Language Problem. You know? Vielleicht finde ich es ja morgen im Laufe des Tages raus.

Meine Gastmama und Ich sind wegen diesem Fest heute allerdings quer durch die Landschaft und den Regen gelaufen. In so ziemlich jedem Haus gab es etwas zu essen und ein Tika auf die Stirn. Ich bin echt am platzen.
Zu guter Letzt kamen wir dann noch an einem Haus vorbei, in welchem die Omi ihren 84. Geburtstag gefeiert hat. Sie ist somit vollends zur Gottheit aufgestiegen. Ich hab im ersten Moment fälschlicherweise angenommen, dass es eine Hochzeit ist.. Der Altar entsprach dem der Hochzeit ziemlich genau. Ich wurde dann aber eines besseren belehrt. Diesen Altar benutzt man hier für jede Feierlichkeit die in diese Richtung geht.
Mir tat nur die Omi leid. Das ist wirklich kein schöner Tag für so ein tolles Fest.

Ich bin echt mal gespannt wann sich das Wetter wieder geliebt fühlt und nicht mehr so einen Mist baut. Ich würde es ja knuddeln. So jedoch nicht. Ich will nicht krank werden. Bis alles wieder im Reinen ist heißt es:
"Pack die Shampoo-Flasche ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann geh hinaus zum Duschen.."
Die Intensität ist besser als bei manchem Duschstrahl :D.

Namaste.

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